Platinentausch Roco (62390) 185 662-3 (Lokomotion)

heute möchte ich euch einen zweiten Platinentausch vorstellen und zwar an meiner Roco 185 662-3 (Lokomotion).

Getauscht wurde diesmal die Originalplatine von Roco gegen eine PluX22 Universalplatine der Firma AWM Huebsch. Der Hintergrund dazu ist, dass die Lok nicht nur über Spitzen und Schlusslicht verfügt sondern auch über Fernlicht. Somit reicht die Originale-Platine mit ihrer 8-poligen Schnittstelle nach NEM 652 nicht aus um alle Lichtfunktionen separat mittels Funktionstasten anzusteuern. 

PluX 22 Universal-Platine AWM Huebsch

Zuerst steht das „Zerlegen“ der Lok nach Anleitung an. Dabei werden zuerst die Pufferbowlen nach vorne hin vorsichtig abgezogen, das Gehäuse der Lok seitlich gespreizt und nach oben hin entfernt so, dass anschließend das innere der Lok vor einem steht.

Roco Original-Platine mit 8 Poliger Schnittstelle nach NEM 652

Nun kann mit dem ablöten der einzelnen Litzen begonnen werden. Zuerst beginne ich mit den schwarzen Litzen (Anschluss Schiene links und rechts). Danach werden der Reihe nach alle weiteren Kabel, die die LED´s mit Storm versorgen von der Platine abgelötet. Anschließend kann nun die Platine vom Grundrahmen der Lok abgeschraubt und entfernt werden. 

Roco Original-Platine mit Anschlussreihenfolge. Vor dem ablöten der Kabel mache ich mir immer ein „vorher“ Bild. Falls der Umbau nicht klappt kann man so den Werkszustand zumindest wieder herstellen.

Jetzt kommt die „neue“ Platine ins Spiel. Ich habe mich dazu entschlossen die Motorstromabnahme mittels der Roco-Kontaktfedern zu realisieren, da mein Roco-Motor und die Platine diese Variante unterstützen. Bei dieser Methode muss allerdings eine kleine Brücke von den Kontaktfeder-Aufnahmepunkten zu den Lötpunkten der Kontaktfahnen an der Platine gelegt werden, da der Motor sonst keinen Strom bekommt. Die Kontaktfedern sind übrigens bei Roco als Ersatzteil (Nr. 116876) erhältlich. Es besteht aber auch die Möglichkeit die beigelegten Kontaktfahnen zu nutzen. Diese werden oben und unten an die Platine anlötet und ggf. eingekürzt wenn sie zu lang sein sollten, um so den Motor mit Strom zu versorgen. Anschließend muss die Platine auf dem Grundrahmen mit den vier Schrauben verschraubt werden. Bei mir bedurfte es einer Nacharbeit,  da die Bohrlöcher nicht ganz den Löchern des Grundrahmens entsprachen. So mussten sie kurzerhand etwas größer gefeilt werden.

Unterseite der PluX22 Platine mit den Kontaktfedern zur Stromversorgung des Motors.

Nach dem die ersten arbeiten erledigt sind geht es „nur noch“ um die Verkabelung. Leider fand ich die Anleitung nicht wahnsinnig informativ, bzw. ich hätte mir gewünscht genaue Angaben zu den einzelnen Lötpads und deren Abkürzungen zu bekommen. Da sich die Platine Universalplatine nennt und so auch ausgelegt ist, ist der Anschluss von Glühbirnen oder LED möglich. Dabei brauchen LEDs keine Vorwiederstände, da diese auf der Platine verbaut sind und dafür separate Lötpads vorhanden sind. Diese Tatsache setzt deshalb eine genaue Recherche voraus um anschließend zu wissen wo was angeschlossen werden soll. Zum Glück stellt AWM Huebsch einen Stromlaufplan der Platine auf der Internetseite bereit, der zumindest  nach ein „paar“ Minuten mehr Licht ins dunkle bringt.

Lange Rede kurzer Sinn:

Schritt eins: Die schwarzen Litzen der Stromabnahme (Ground (Schiene) Links und Rechts) müssen an die jeweiligen Lötpats TRRV, TRLV, TRH, TLH angelötet werden. Dabei steht V= Vorne und H= Hinten immer auf der Platine als Abkürzung zu den einzelnen Anschlüssen.

Im zweiten Schritt, muss herausgefunden werden welche Kabelfarbe zu welcher LED gehört und welche Farbe als Rückleiter fungiert. In meinem Fall hat Roco für den Rückleiter die Farben braun und rot verwendet. Das untere Spitzenlicht hat die Farbe grün und die Obere Lampe blau (habe ich durch die Farbe grau getauscht), das Schlusslicht ist gelb und das Fernlicht wird mit der Kabelfarbe orange angeschlossen. Ob das bei jeder E 185 von Roco so ist, kann ich nicht sagen.

Im dritten Schritt, werden nun die einzelnen Kabelfarben auf die dazugehörigen Lödpads aufgelötet und zwar wie folgt: 

  • Rückleiter (braun und rot) kommen auf das Lödpad +V und +H
  • untere Spitzenlicht (grün) kommt auf das Lödpad WVL und WH
  • obere Spitzenlicht (blau) (bei mir grau) kommt auf das Lödpad OV und OH
  •  Zugschluss (gelb) kommt auf das Lödpad RVL und RH
  • Fernlicht (orange) kommt auf das Lödpad FV und FH
  • anschließend müssen noch die Lötbrücken für das Fernlicht eingelötet werden (siehe Bild), damit das obere Spitzenlicht mit geschaltet wird.

Hier ist die Platine vollständig verkabelt zu sehen und in rot habe ich die Lötbrücken eingezeichnet.

Im vierten Schritt darf nun der Decoder in die Schnittstelle gesteckt werden. Anfangs hatte ich vor meine Lok mit einem Rautenhaus PluX22 Decoder auszustatten. Relativ schnell musste ich feststellen, das ein Bauteil auf der Platine das richtige einstecken des Decoders verhindert. Deshalb habe ich meinen Modelleisenbahn-Händler konsultiert und mir verschiedene PluX22 Decoder zeigen lassen. Meine Wahl viel auf den Zimo MX633P22. Dieser Decoder ist Bauteil mäßig auf der Unter und Oberseite schön flach bestückt, eignet sich allerdings erst für die Lok, wenn man die Pins des PluX22 Decoders noch etwas einkürzt. Da er sonst das Dach der Lokomotive anhebt.

PluX Platine mit gestecktem Decoder.

Anschließend kann ein erster Test gemacht werden, ob die Elektronik auch richtig angeschlossen ist. Ist der Test erfolgreich verlaufen, so kann nun mit der Programmierung des Decoders bzw. Mappings begonnen werden. 

Mein Wunsch war es die einzelnen Lichtausgänge wie folgt zu schalten:

  • Taste F0 (Licht): Lichtwechsel Weiß/Rot an Führerstand 1
  • Taste F1: Lichtwechsel Weiß/Rot an Führerstand 2
  • Taste F3: Rangierlicht (Weiß an Führerstand 1 und 2)
  • Taste F4: Fernlicht richtungsabhängig

Nach dem studieren der Anleitung, habe ich es erst einmal mit dem Funktions-Mapping nach NMRA-DCC Standart versucht und die CV Werte wie folgt programmiert:

  • CV 33= 4 (F0 bei Vorwärtsfahrt schaltet FA1)
  • CV 34= 1 (F0 bei Rückwärtsfahrt schaltet FA0v (Stirnlicht)
  • CV 35= 10 (F1 schaltet FA0r (Rücklicht) und FA2
  • CV 36=1 (F2 schaltet FA0v (Stirnlicht)
  • CV 37= 6 (F3 schaltet FA1und FA0r (Rücklicht)

Zusätzlich habe ich über die Effekt-CVs folgende Werte eingestellt, dass die Decoderfunktionsausgänge (FA):

  • FA0r (CV#126=1) nur bei vorliegender Rückwärtsrichtung schalten
  • FA1 (CV#127=1) nur bei vorliegender Rückwärtsrichtung schalten
  • FA2 (CV#128=2) nur bei vorliegender Vorwärtsrichtung schalten
  • FA3 (CV#129=2) nur bei vorliegender Vorwärtsrichtung schalten
  • FA4 (CV#130=1) nur bei vorliegender Vorwärtsrichtung schalten

So konnte ich drei der vier gewünschten Punkte meines Funktions-Mappings erreichen. Allerdings beim Fernlicht hatte ich das Problem, dass in einer Richtung an einem Führerstand kein Spitzenlicht leuchtet, da ich in den Effekt-CVs eine Richtungsabhänigkeit vorgegeben habe. Auf Grund dieser Tatsache musste ich diesen Plan also aufgeben und habe mich an ZIMO gewendet und erfragt, ob ich etwas falsch gemacht habe oder ob es eine andere Möglichkeit gibt mein Ziel doch noch zu erreichen. Nach ein paar Mails die sehr freundlich, umfassend und sehr schnell beantwortet wurden, empfahl mir Zimo das erweiterte Funktion-Mapping (Schweizer Mapping) anzuwenden. 

 

Um das Schweizer Mapping zu aktivieren muss der Decoder allerdings mindestens die Software Version 32 besitzen. Mein Decoder verfügte leider nur über die Version 31. Also musste ich den Decoder erst einmal Updaten. Wer kein Update Gerät zu Hause hat (wohl die meisten), kann übrigens seinen Decoder zu Zimo schicken und zahlt nur die Portokosten (toller Service) oder wendet sich an einen Zimo Fachhändler die das wohl teilweise auch endgeldlich für einen übernehmen (Info von ZIMO).

ZIMO MXULFA (Decoder-Updategerät) der ZIMO MX633P22 bekommt die aktuelle Software Version aufgespielt.

Nach dem Update wird der Decoder nun wie folgt Programmiert bzw. ergibt sich dadurch folgende Funktionstastenbelegung:

  • Taste F0 (Licht): Lichtwechsel Weiß/Rot an Führerstand 1
  • Taste F1: Lichtwechsel Weiß/Rot an Führerstand 2
  • Taste F2: Fernlicht richtungsabhängig
  • Taste F3: Rangierlicht (Weiß an Führerstand 1 und 2)

Zum aktivieren des Alternativen Funktions-Mappings ohne Linksverschiebung wird:

  • CV#61=97 

Schweizer Mapping Gruppe 1:

  • CV#430=29 (F0 Führerstand 1 Licht weiß/rot wechselnd in Fahrtrichtung)
  • CV#431=0 (wird nicht gebraucht)
  • CV#432=1 (FA1 Schlusslicht vorne)
  • CV#433=0 (wird nicht gebraucht)
  • CV#434=14 (FA0v Spitzenlicht vorne)
  • CV#435=0 (wird nicht gebraucht)

Gruppe 2:

  • CV#436=1 (F1 Führerstand 2 Licht weiß/rot wechselnd in Fahrtrichtung)
  • CV#437=0 (wird nicht gebraucht)
  • CV#438=15 (FA0r Spitzenlicht hinten)
  • CV#439=0 (wird nicht gebraucht)
  • CV#440=2 (FA2 Schlusslicht hinten)
  • CV#441=0 (wird nicht gebraucht)

Gruppe 3:

  • CV#442=2 (F2 Fernlicht wechselnd in Fahrtrichtung)
  • CV#443=0 (wird nicht gebraucht)
  • CV#444=4 (FA4 Fernlicht hinten)
  • CV#445=0 (wird nicht gebraucht)
  • CV#446=3 (FA3 Fernlicht vorne)
  • CV#447=0 (wird nicht gebraucht)

Zum Rangierlicht (beidseitig weiß) wird dann die CV#37=3. Alle anderen CV (33-36) werden auf 0 gesetzt. 

Roco 185 663 mit eigeschaltetem Fernlicht.

Anschließend habe ich noch die CVs für die Effekte der Funktionsausgänge, speziell für das langsame Auf- und Abblenden programmiert. Das sind die CVs von 125- 130 die alle den Wert 88 bekommen. Die CV 190 (Aufblendzeit) und 191 (Abblendzeit) habe ich auf dem Wert 0 (entspricht 0,5 Sek.) gelassen.

 

Schlussfazit meines Platinentauschs:

Nach anfänglichen Schwierigkeiten und kleineren Enttäuschungen bin ich nun abschließend doch sehr zufrieden in die Investition einer Tauschplatine und Decoders und der Umsetzung aller Lichtfunktionen an meinem Modell. Vor allem die Schaltung des Spitzenlicht zum Fernlicht gefällt mir sehr gut, da die Umsetzung dem Vorbild entspricht. Allerdings halte ich die Universalplatine für meine Roco 185 für nicht ganz glücklich konstruiert (zu wenig platz zwischen Platine und Lokdach, Pins des Decoders mussten gekürzt werden, nicht jeder Decoder passt platzmäßig überhaupt und die Löcher der Platine stimmen nicht mit denen auf dem Lokrahmen überein). Diesen Umbau sollten also nur diejenigen wagen die schon über mehr Bastelerfahrung verfügen und das nötige Geschick besitzen, das ein oder andere noch zurecht zu basteln. 

Roco 185 663 mit eingeschaltetem Schlusslicht.

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